Bei strahlendem Sonnenschein und angenehmen 20 °C starteten wir mit 8 frohgelaunten Wanderfreunden und Wanderfreundinnen in Pressel an der Neumühle in der Dübener Heide. Der Ort war noch zu DDR-Zeiten das Ferien-Naherholungsgebiet des VEB Eilenburger Chemiewerk. Neben dem Presseler Badeteich gab es mit einem Campingplatz und der Biergartengaststätte Neumühle alles, was man zum Entspannen benötigte. Auch hier nagt mittlerweile der Zahn der Zeit an der gesamten Außenanlage und die bei Wanderfreunden und Ausflugsgästen allseits beliebte Gaststätte ist heute leider Geschichte.
Pressels berühmtester Sohn ist heute noch der im 19. Jahrhundert in die USA ausgewanderte Schnei-der Friedrich Gustav Kögel, der angeregt durch eine Wette einer großen Tageszeitung in San Francisco als einer der ersten Globetrotter mit seinem Freund Fred Thörner von 1894-96 die Welt zu Fuß auf einer von der Zeitung vorgegebenen Strecke umrundete. Nun diesen Ehrgeiz hatten wir in unserer Wandergruppe heute nicht. Wir beließen es bei moderaten 18 km in der flachen Moor- und Heidelandschaft.
Das Gebiet rund um Pressel ist seit 1994 ein gut 4.000 ha großes Naturschutzgebiet mit 2 großen 2014/15 renaturierten Mooren, dem Wildenhainer- und Zadlitzbruch. Hier wurde noch bis 1950 Torf gestochen. Mit nur max. 1mm pro Jahr wächst die Torfschicht extrem langsam. Rund 10.000 Jahre hat es gedauert bis an einigen Stellen so eine fast 4m hohe Schicht entstanden ist. Vom Wanderparkplatz Neumühle ging es auf gut präparierten trockenen Trampelpfaden durch das Moor rund um den Wildenhainer Bruch zu unserer wunderschönen Hochsitz-Raststätte. Das saure Wasser (pH-Wert 3,5) in den Mooren hat eine einzigartige Fauna und Flora geschaffen. Über 100 Vogel- und 350 Schmetterlingsarten haben hier mittlerweile eine Heimat gefunden. Das auf Stelzen gesetzte „Kranichnest“ direkt am Rande des Bruchs erreicht man abseits des Hauptweges über einen kleinen Stichweg durch einen Urwald mannshoher Farne, wo wir nach gut 3,5 h unsere verdiente Mittagsrast einlegten. Lei-der konnten wir heute keine grauen Kraniche im dichten Schilf zu Gesicht bekommen, die Ankunfts-zeit dieser imposanten scheuen Vögel in ihren Brutgebieten erfolgt jedes Jahr schon im Februar/ März.
Nach der verdienten Stärkung aus dem Rucksack führte uns unser Wanderleiter auf verschlungenen einsamen Pfaden im Wald, die von unzähligen blühenden Fingerhüten gesäumt waren, zu unserem nächsten Highlight, dem Zadlitzbruch. Dieses Moorgebiet ist mit rund 100 ha Fläche halb so groß wie der zuvor umrundete Wildenhainer Bruch, aber seine Landschaft ähnelt durch die riesigen Wollgrasflächen im Sumpf von weitem eher Baumwollfeldern. Auf federndem Waldboden und durch manns-hohe Farne bahnten wir uns auf einsamen Trampelpfaden den Weg durch diese verwunschene Landschaft.
Nach gut 5h effektiver Wanderzeit erreichten wir am Presseler Teich wieder unseren Wanderpark-platz. Mittlerweile waren die Temperaturen auf 30°C angestiegen und alle hatten nur noch einen Wunsch, wo gibt es das nächste Kaltgetränk? Mit den Autos ging es flugs in das nahegelegenen Dorf Pressel, wo wir im Biergarten des Landgasthofes dann endlich bei einem kühlen alkoholfreien Weizen oder Radler den Wandertag bei anregenden Gesprächen ausklingen ließen.
Wieder ging eine gelungene Wanderung mit netten Wanderfreunden zu Ende. Bis zum nächsten Mal!
Euer Wanderleiter
Uwe Schulz-Du Bois
